"Ich will dein Lob nicht!" (6)

Blog 6 „Ich will dein Lob nicht, nur damit ich so bin wie du mich haben willst!“

von Dr. Angela Thiele

Betrachten wir das Schülerzitat: „Ich will dein Lob nicht, nur damit ich so bin wie du mich haben willst! Wer ich bin und was ich will das entscheide ICH!“ Starke Worte, die eine Haltung ausdrücken - entstanden aus einem Bewusstsein - das sich selbst einen Wert gibt und bereit ist, Verantwortung für das Eigene zu übernehmen. Trauen wir unseren Schülern eine solche Haltung zu? Können wir erwarten, dass ausreichend Potential für die Übernahme von Selbstverantwortung in unserer heutigen Zeitepoche vorhanden ist? Wir haben, besonders in den letzten 15 Jahren Diagnose- und Analyseverfahren entwickelt, die die Schüler in ihren Leistungen und ihrem Verhalten ständig beurteilt. Das bedeutet eine stetige Wertung der Schülerleistung – häufig skalenartig. Die Rückmeldung erfolgt in der Regel über Zensuren oder Indikatoren, gelegentlich auch noch rein verbal. Anhand dieser Ergebnisse weisen wir damit Lernmaterialien zu, das gewünschte Verhalten steuern wir über sogenannte positive Verstärker. Stetes werten in Form von richtig und falsch, gut und böse etc. gehört heute noch zum Schulalltag. Ein Wegdenken dieser Auswüchse ist kaum vorstellbar. Wir wissen jedoch, bzw. formulieren immer wieder in unseren Didaktiken, dass alle Schüler in ihrer Individualität zu betrachten und gleichwertig zu schätzen sind. Doch wie sieht die Realität aus? Wir benötigen ein anderes Bewusstsein sowie einen Wahrnehmungswechsel von Lehren und Lernen. Die Herausforderung in unserer heutigen Zeit ist die Umsetzung unserer wunderbaren Erkenntnisse, die in der aktuellen Pädagogik zu finden ist und die wir ebenso aus unzähligen didaktischen Aufsätzen kennen. Wir benötigen Lernräume mit einer anderen Struktur!