Vom Unterricht zur Lernarchitektur

Bereits dem Wort “Unterricht” haftet der alte Zauber von Schule an. Es geht um Unter-richten, darum, Wissen von oben nach unten zu transportieren, vom vermeintlich wissenden Lehrer zum umwissenden Kind.

Zudem liegt dem Wort Unterricht das Selbstverständnis des Richtens durch den Lehrenden inne, die Freiheit und Macht zu bestimmen, was “richtig und was falsch ist”, zu bewerten, was gut und was schlecht ist. Es wird entschieden über Fähigkeiten und Fertigkeiten, über Bedeutung, Relevanz und Qualität von Interessen, Kreativität und Potential. Ist diese Praktik moralisch unbedenklich?

Menschen bewerten (also richten) immer subjektiv. Von daher ist dieser Maßstab vollkommen unbrauchbar, weil un-objektiv, un-fair und un-erheblich. Wir selber kennen das aus unserer eigenen Erfahrung vermutlich auch sehr gut. Einmal einen “speziellen” Lehrer gehabt und schon ist man plötzlich zu dumm, zu sensibel, zu laut, zu aktiv…!

Kann und darf die Schule die Autorität, Macht und Qualifikation beanspruchen zu entscheiden und zu bewerten, welches Wissen und welche Fähigkeiten für das zukünftige Leben der Kinder relevant ist? Einige Wenige entscheiden, WAS gelernt wird und WAS NICHT, WIE es gelernt wird und WIE NICHT! Man muss schon “Glück” haben, bei einem Lehrer zu landen, der zu einem passt. Aber auf dem Faktor Glück darf der Lernerfolg unserer Kinder nicht basieren. Aussagen, wie “Nein, du musst das Männchen SO ausschneiden” begegnen uns im Unterricht immer wieder! Darf und sollte ein einzelner Lehrender überhaupt eine Funktion mit solch weitreichender Tragweite für ein Kind einnehmen?

Eine Lernarchitektur hingegen betont und kreiert Eckpfeiler für den individuell gesteuerten Lernprozess und ermöglicht Selbstlernen, Selbstregulation und Selbstaktualisierung. Somit werden individuelle Wissens- und Kompetenzprofile sichtbar.

Als Lernarchitekten entfernen wir uns deshalb auch ganz bewusst von der Nutzung des Wortes “Unterricht” und ersetzen diesen mit Lernarchitektur, um den Paradigmenwechsel zu verdeutlichen.